Auf unserer zertifizierten Stroke Unit behandeln wir Schlaganfälle spezialisiert und interdisziplinär. So können wir rasch und kompetent auf jeden Hirnschlag reagieren, die Ursache schnell abklären und früh mit rehabilitativen Massnahmen beginnen. Dadurch lassen sich die Überlebenschancen nachweislich erhöhen und das Ausmass möglicher Behinderungen reduzieren.
Zuweisungen erfolgen in der Regel notfallmässig über den Rettungsdienst oder Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt via die Notfallstation.
In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Notfallstation sowie der Intensiv- und Überwachungsstation evaluieren wir sofort die Möglichkeiten einer zeitkritischen Akutbehandlung, der intravenösen Thrombolyse, mit welcher Gerinnsel in kleineren und mittelgrossen hirnversorgenden Arterien in ausgewählten Fällen aufgelöst werden können. Bei Verschluss grosser hirnversorgender Arterien können wir Patienten für eine kathetertechnische Behandlung nach Einleitung der Therapie direkt ins Inselspital Bern verlegen.
Nach und während der Akutbehandlung von Schlaganfällen führen wir gemeinsam mit den Spezialisten von Radiologie, Gefässchirurgie und Kardiologie die Ursachenabklärung für den Schlaganfall durch, um die bestmöglichen Massnahmen zur Verhinderung weiterer Schlaganfälle und Komplikationen treffen zu können. Parallel behandeln wir zusammen mit dem Team von Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie neurologische Defizite und beginnen bei Bedarf mit rehabilitativen Massnahmen, sodass ein nahtloser und reibungsloser Übertritt in eine geeignete Neurorehabilitation erfolgen kann.
Man spricht auch von Gehirnschlag, Hirninfarkt oder Stroke (engl.). Dabei handelt es sich um eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Nervenzellen im Gehirn erhalten dadurch zu wenig Sauerstoff sowie Nährstoffe und sterben ab.
Es gibt zwei Arten von Hirnschlägen: Die häufigere ist die Verstopfung eines Blutgefässes (Hirninfarkt). Diese entsteht durch die Bildung eines Gerinnsels vor Ort (Thrombus) aufgrund von Kalkablagerungen (Arteriosklerose) oder durch Verschleppung eines solchen mit dem Blutstrom (Embolie). In lediglich 15 Prozent aller Fälle führt ein Gefässriss zu einer Hirnblutung und damit zu einer Durchblutungsstörung.
Das Ausmass eines Schlaganfalls hängt davon ab, wie viele Nervenzellen zu Grunde gehen und für welche Gehirnfunktionen sie zuständig sind. Die Beschwerden/Warnzeichen sind gleichfalls abhängig vom betroffenen Gehirnbereich und der Grössenausdehnung der Durchblutungsstörung.
Etwa jeder dritte Schlaganfall kündigt sich durch flüchtige Durchblutungsstörungen des Gehirns an, so genannte transitorische ischämische Attacken (TIA). TIAs dauern nur wenige Minuten, allenfalls einige Stunden. Sie sind Warnzeichen für einen Schlaganfall, der in absehbarer Zeit eintreten kann. Vorübergehende Symptome können sein:
Wählen Sie die Nummer 144 der Alarmzentrale. Jede Minute zählt, handeln Sie ohne zu zögern! Dadurch lassen sich in vielen Fällen schwerwiegende Folgen verhindern. Die Rettungssanität bringt den Betroffenen auf dem schnellsten Weg ins Bürgerspital.
Selbst wenn die Symptome schnell wieder verschwinden, sind sie ein wichtiges Warnsignal und sollten umgehend medizinisch beurteilt werden. Falls der Hausarzt gleichentags nicht mehr kontaktiert werden kann, soll die betroffene Person durch Angehörige auf die Notfallstation des Bürgerspitals gebracht und an der Pforte mit dem Verdacht auf Hirnschlag angemeldet werden. Hinweise, ob die Beschwerden zu einem Hirnschlag passen, liefert der «F.A.S.T.-Test». Wird eine oder mehrere der Fragen mit Ja beantwortet, liegt wahrscheinlich ein Hirnschlag vor.
Ist der Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel verursacht, können wir dieses medikamentös auflösen (sogenannte Lysetherapie). Das Medikament wird über ein Blutgefäss in den Blutstrom gespritzt. Je früher die Lysetherapie beginnt, desto grösser ist die Erfolgschance. Eine nachgewiesene Wirksamkeit besteht in den ersten 4 ½ Stunden nach Eintritt des Schlaganfalls, danach oder bei unklarem Symptombeginn ist diese Therapie in Einzelfällen weiterhin möglich.
Um festzustellen, ob der Hirnschlag durch einen Gefässverschluss oder einen Gefässriss verursacht ist, führen wir nach entsprechenden Notfalluntersuchungen und erweiterten stabilisierenden Massnahmen eine Computertomografie des Kopfes und Halses durch. Durch eine Kontrastmittelverabreichung in die Blutbahn ist zudem eine Gefässdarstellung (Angiografie) möglich. In ausgewählten Fällen wird durch eine zusätzliche Perfusionsbildgebung das minderversorgte Gehirngewebe noch detaillierter dargestellt, um über die Möglichkeit zur Durchführung der Lysetherapie entscheiden zu können. Nach Erhalt dieser Informationen können die Notfallärzte diese sofort einleiten.
Während des Spitalaufenthaltes suchen wir die Ursache des Hirnschlags. Dazu gehört das Identifizieren und Behandeln aller Risikofaktoren (Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Blutzuckerkrankheit, Schlafapnoe-Syndrom, Rauchen), da diese für einen Grossteil der Schlaganfälle verantwortlich sind.
Häufig führen Kalkablagerungen in den Gefässen (Arteriosklerose) oder Funktionsstörungen des Herzens (Vorhofflimmern) zu erneuten Hirnschlägen. Mittels Ultraschallgerät können wir durch Doppler- und Duplexsonografie-Technik Gefässkalk und gefährliche Verengungen der Blutgefässe schmerz- und nebenwirkungsfrei mit hoher Genauigkeit nachweisen.
Mithilfe eines einfachen EKGs (Elektrokardiogramm oder Herzstromkurve) sowie während der Überwachung am Monitor auf der Stroke Unit erkennen wir Herzrhythmusstörungen. Unregelmässiges Zusammenziehen des Herzmuskels im Bereich des Vorhofs kann zur Bildung kleiner Blutgerinnsel führen, die ins Gehirn geschwemmt werden und dort ein Gefäss verstopfen können (Embolie). Zusätzlich führen wir in der Regel eine Ultraschalluntersuchung (Echosonografie) der Herzhöhlen durch. Dort findet man ebenfalls manchmal Auffälligkeiten, die zur Gerinnsel-Entstehung führen können.
Risikofaktoren wie Rauchen, hoher Blutdruck oder Blutzucker, aber auch hohes Blutfett (Cholesterin) schädigen die Wände unserer Blutgefässe. Es kommt zunächst zu Ablagerungen (Arteriosklerose), welche im weiteren Verlauf zu einer hochgradigen Verengung der Arterie führen können. Wenn es dadurch bereits zu Schlaganfall-Symptomen gekommen ist, besteht ein sehr hohes Risiko für erneute Schlaganfälle. Dies kann in der Regel gut durch eine Operation oder das Einsetzen eines Stents zum Wiedereröffnen der Engstelle verhindert werden. Hier arbeiten wir mit den Spezialisten des Gefässzentrums und der Neuroradiologie Hand in Hand: Mithilfe des neurovaskulären Ultraschalls der Neurologie, lässt sich das Ausmass von Ablagerungen der Gefässe (Atherosklerose) exakt festlegen. Bei frühzeitiger Erkennung kann durch Medikamente und Anpassung des Lebensstils (z. B. Rauchstopp) ein Hirnschlag verhindert werden.
Bei Übergewicht und lautem Schnarchen kann ein Schlafapnoe-Syndrom vorliegen, das mehrmals pro Stunde – in schweren Fällen sogar alle 1–2 Minuten – zu Atemaussetzern führt. Die Atempausen während des Schlafens bemerken die Betroffenen selbst oft nicht, eher beobachten dies die Angehörigen. Betroffene wachen durch die Atemaussetzer für Sekundenbruchteile auf, nehmen dies jedoch ebenfalls nicht wahr. Der Schlaf ist dadurch weniger erholsam und führt zu Tagesschläfrigkeit. Weitere Beschwerden sind ein trockener Mund und Lufthunger beim Erwachen. Gefährlich ist das Schlafapnoe-Syndrom, weil es mit jeder kurzen Aufwachreaktion zu einer Herzschlagbeschleunigung und Blutdruckerhöhung kommt, was im Minutentakt eine extreme Belastung für Herz und Kreislauf darstellt.
Weitere Informationen und Seiten, auf denen Sie Ihr eigenes Risiko für einen Hirnschlag oder das Vorhandensein eines Schlafapnoe-Syndroms abschätzen können, finden Sie nachfolgend. Besprechen Sie das Ergebnis mit Ihrem Hausarzt, um allfällige Weiterabklärungen zu veranlassen.
F.A.S.T. (Face Arm Speech Time) – Test
swissheartcoach.ch – Hirnschlag- und Herzschlagrisiko mit Selbsttest und Beratung
lungenliga.ch – Schlafapnoe mit Selbsttest
kompetenznetz-schlaganfall.de
Blogbeitrag «Schlaganfall - Jede Minute zählt»
Grundsätzlich prüfen wir nach jedem Schlaganfall die Notwendigkeit einer neurologischen Rehabilitation. Auch bei geringen Funktionsstörungen ist häufig eine Therapie erforderlich, ebenso bei älteren Patienten, wenn es um die Sicherung ihrer Selbstständigkeit im Alltag zu Hause geht. In der Regel führt eine sofort eingeleitete Therapie zu einer deutlichen Verbesserung – oftmals auch zur Behebung – vieler Krankheitssymptome. Die unterschiedlichen Formen und Folgen eines Schlaganfalls verlangen nach individuellen Therapien. Je nach Gesamtzustand finden bestimmte Behandlungen auch ambulant statt.
Spezifische Therapien sind die Physio-, Ergo- und die Sprachtherapie (Logopädie) sowie die Neuropsychologie.
Ziele der Physiotherapie sind das Erreichen der maximalen physischen Selbständigkeit, die Reduktion gesteigerter Muskelspannung (Spastizität), das Anstreben normaler Bewegungsfähigkeit sowie die generelle Verbesserung motorischer Funktionen (Bewegungen), wie Aufstehen, Stehen, Gehen und die Förderung des Gleichgewichts.
Die Ergotherapie ergänzt dies durch das Trainieren motorisch-funktioneller Fähigkeiten zur Verbesserung der Wahrnehmung, durch die Schulung (täglicher) lebenspraktischer Aufgaben und die Förderung der Eigenaktivität zur Verbesserung der Lebenssituation und den Umgang mit Hilfsmitteln.
Die Sprachtherapie (Logopädie) umfasst zwei Behandlungsbereiche: einerseits Sprech- (Dysarthrien) und Sprachstörungen (Aphasien), andererseits Störungen des Schluckvorgangs (Dysphagie).
Ein Schlaganfall führt oft auch zu neuropsychologischen Störungen, d.h. Störungen der «höheren» Hirnleistungen wie Gedächtnis, Intelligenz, Gefühlsleben, Aufmerksamkeit und Verhalten. Die Neuropsychologie diagnostiziert sorgfältig die verschiedenen Funktionsbereiche mittels standardisierter Testverfahren und behandelt die Hirnleistungsstörungen und übernimmt die Kranhkeitsbewältigung.
Ausgefülltes Online-Zuweisungsformular und bereits vorhandene Unterlagen relevanter Voruntersuchungen, Röntgendossier (CT/MRI) und Laborresultate etc.
Anmeldungen für Elektroenzephalographien (EEG), neurovaskuläre Ultraschalluntersuchungen (NVUS), Elektroneuromyographien und evozierte Potentiale (ENMG) sowie für Lumbalpunktionen (LP) erfolgen ebenfalls via Sekretariat Neurologie. Bitte vermerken Sie, wenn Sie gleichzeitig eine zusätzliche klinisch-neurologische Beurteilung wünschen.
Hier finden Sie einen detaillierten Überblick über die Struktur unserer Abteilung. Unser Organigramm veranschaulicht die Zusammenarbeit unseres interdisziplinären Teams, das sich aus hochqualifizierten Fachkräften zusammensetzt, um die bestmögliche Versorgung für Schlaganfallpatienten sicherzustellen.