Solothurner Spitäler

GESCHICHTEN AUS DEN SOLOTHURNER SPITÄLERN

Marlen_Gehrke

«Viele denken, da will jemand in mein Gehirn gucken oder es gar waschen.»

Marlen Gehrke, Psychotherapeutin in der Justizvollzugsanstalt Solothurn

Mitarbeitergeschichte Marlen Gehrke

«Hier drin fühle ich mich sicher.» Marlen Gehrke, Psychotherapeutin in der Justizvollzugsanstalt Solothurn, ist vom Menschen an sich und den verschiedensten Lebensentwürfen fasziniert. Sie zeigt uns ihren Blick auf den Alltag hinter Gittern.

Rein- und rauskommen ist in der Justizvollzugsanstalt schwierig. Und im Interesse aller. Dabei betrifft es natürlich auch die Mitarbeitenden. Hinter den Mauern laufen Leben und Arbeit sehr geregelt ab. Ein fester Bestandteil davon ist die Therapie.

Der Mensch ist im Zentrum
Zur Forensik ist Marlen Gehrke gekommen, weil sie vom Menschen an sich fasziniert ist. Und von den verschiedenen Lebensentwürfen. Jemanden verstehen zu wollen, den man im ersten Augenblick nicht verstehen kann, sei ein innerer Antrieb. In ihrer Arbeit ist sie eigentlich auch ein bisschen voyeuristisch: sie will erklären, was noch fremd ist und sich im Verborgenen versteckt. Gerade auch das «Böse». Wie konnten sie diese Tat nur begehen? Ist es überhaupt möglich, einen straftätigen Menschen zu verändern? Wie hoch ist das Risiko? Die offene Diskussion wird wohl ewig weitergeführt werden.

Bereitet es Angst, hinter Gittern zu arbeiten?
«Ehrlich gesagt fühle ich mich nirgends so sicher wie im Gefängnis. Schliesslich hat es viele Sicherheitsmassnahmen. Zudem ist das Gefährdungspotenzial der Klienten bekannt; sie stehen natürlich unter starker Beobachtung. Ein wertvoller Hinweis kommt von der Wohngruppe oder der Arbeit betreffend Verfassung des Klienten. Aus all diesen Gründen fühlt man sich in diesem kontrollierten Umfeld eben schon sicher.»

Verschiedene Gesichter
Die Psychotherapeutin ist gerade auch zu Beginn einer Therapie sehr behutsam. Es geht darum, das Gegenüber kennenzulernen und zu verstehen, warum eine Person in ihrem Leben so handelte. Natürlich passiert das auch in entgegengesetzter Richtung. Bei ihrer Arbeit mit Klienten wählt Marlen Gehrke neben dem verhaltenstherapeutischen Ansatz vor allem den tiefenpsychologischen Ansatz. Die Gesprächspartner bauen also stetig an ihrer Beziehung im Hier und Jetzt. Mit der Zeit baut sich oft gegenseitiges Vertrauen auf, was jedoch immer wieder Prüfungen unterworfen wird.
«Mir gegenüber treten Klienten oft devot und überangepasst auf. Sie sind also sehr höflich, sehr vorsichtig. Das Zeigen der Schokoladenseite ist nachvollziehbar. Die Klienten befinden sich ja in einer permanenten Bewertungssituation. Dann haben sie ja noch eine andere Seite, die sie nicht so gerne zeigen. Diese kennenzulernen und zu bearbeiten ist die hohe Kunst meiner Arbeit.»

Mit Geduld und Achtsamkeit Schritt für Schritt vorangehen
Das Frustrationspotenzial der Arbeit ist hoch. In den Therapien ist von Anfang an Misstrauen da. Der Klient weiss, dass berichtet wird und es auf viele Kleinigkeiten ankommt. Da schwingt Angst mit, nicht verstanden zu werden. Ein Klient kommt nicht selten aus einem Umfeld, in dem er um Grundbedürfnisse kämpfen musste. Aus seiner Sicht war er gar erfolgreich, denn mit seinen Taten – ob Manipulation, Diebstahl, Erpressung, Betrug… – konnte er sich unter Umständen etwas Luft verschaffen. In den Sitzungen muss nun klargemacht werden, dass gewisse Handlungen in der Gesellschaft trotzdem nicht gehen. Fetische, Neigungen und Leidenschaften müssen von der Aussensicht betrachtet werden. «Ich führe mir immer wieder vor Augen, wie der Klient mit seinen Strategien in gewissem Sinne auch erfolgreich war. Denn mit Gewalt konnte er sich gut durchsetzen oder auch Respekt verschaffen. Genau dieses falsche Verständnis von Erfolg probiere ich dem Klienten beizubringen.»

So geht Psychotherapie
Auf der Couch liegt der Patient. Er redet sich die Seele aus dem Leib. Daneben sitzt der Psychiater und bestätigt mit einem weichen «Ja» sämtliche Aussagen. Diese Situation scheint sich teilweise in unseren Köpfen festgesetzt zu haben. Und sie hat reichlich wenig mit der Realität zu tun. In der Psychotherapie geht es darum, sich kennen und steuern zu lernen. Wie kontrolliere ich mich, wenn ich von Gefühlen überschwemmt oder gekränkt werde? Wie erkenne ich eine Reiberei im Vorfeld? Oft wird der Wut oder auch Trauer nämlich mit Gewalt begegnet, denn damit kann die Situation – vermeintlich – gelöst werden. Dabei kündigen sich Konflikte an; sie kommen nie von null auf hundert. Es gilt, die entsprechenden Warnzeichen zu erkennen.
«In den Gesprächen wird nun das eigene Profil erkannt. Ebenso sucht man Handlungsansätze, die zur erfolgreichen Bewältigung von Konfliktsituationen führen. Antizipieren, also innere und äussere Mechanismen voraussehen, ist eine Fähigkeit, die Delikte verhindern kann.»

Monika_Bieri

«Bis heute bin ich jeden Arbeitstag in freudiger Erwartung angegangen…»

Monika Bieri, Bereichsleiterin OPS HNO im Bürgerspital Solothurn

Mitarbeitergeschichte Monika Bieri

Monika Bieri blüht ihn ihrem Job auf. Sie erfüllt ihre Aufgaben im Operationssaal und in den Untersuchungszimmern mit Leidenschaft. Und Feingefühl.

Strahlend steht Monika Bieri vor dem kleinen OP, wie sie die Räumlichkeiten hinter ihr liebevoll nennt. «Hier im kleinen OP geht es menschlich zu und her.» Die Räumlichkeiten liegen nahe beieinander und nicht selten sieht man die Patienten vor oder nach der Operation in einem der Untersuchungszimmer. Das Team ist überschaubar gross und der Umgang untereinander sehr angenehm.

Ein Traumjob?
«Bis heute bin ich jeden Arbeitstag in freudiger Erwartung angegangen.» Die Leidenschaft für ihren Beruf ist spürbar, ob gesprochen oder in der Körpersprache. Monika Bieri ist mit wachem Geist und offenem Herz dabei. Hier hat jemand den Beruf aus Berufung gewählt.

Ihr Werdegang
Seit September 2006 verantwortet sie die Bereichsleitung des OPS HNO. Die Ausbildung zur diplomierten Krankenschwester schloss sie 1980 ab. Bereits ein Jahr später trat sie ins Bürgerspital ein und absolvierte die 2 jährige Weiterbildung zur dipl. Pflegefachfrau OP. 1984 wechselte sie in den HNO / Augen OP. Mit der Geburt des ersten Kindes 1986 verliess sie das BSS. Folglich blieb die Familienmutter 11 Jahre daheim. «Die Zeit möchte ich ganz und gar nicht missen. Doch eine Rückkehr ins Berufsleben und ins Bürgerspital stand immer zur Diskussion.» 1997 konnte sie an ihren ehemaligen Arbeitsplatz zurückkehren.

Was ihr wichtig ist
«Ein wertvolles Gut ist die Zeit mit den Patienten. In der persönlichen Betreuung kommt es immer wieder mal vor, dass ich eine Hand halte. Mit einfachen Gesten und offenen Ohren kann Sicherheit und Vertrauen vermittelt werden. Genau so möchte ich meinen jungen Berufskolleginnen und Berufskollegen auch folgendes mit auf den Weg geben: der Patient ist in erster Linie auch Mensch. Und er hat Bedürfnisse sowie Ängste. Ihn dabei zu begleiten, ist unsere Aufgabe.»

Natacha_Oetterli

«Die Vielfältigkeit hat mich begeistert…»

Natacha Oetterli, Kauffrau in Ausbildung

Mitarbeitergeschichte Natacha Oetterli

Natacha Oetterli hat im August 2017 die Lehre als Kauffrau bei den Solothurner Spitälern (soH) begonnen. Damit war sie aber keinesfalls alleine. Rund 70 Lernende haben gleichzeitig mit ihr angefangen.

Warum hast du dich für die soH als Ausbildungsbetrieb entschieden?
«Für mich war sofort klar, dass ich meine KV-Lehre bei der soH machen will. Die Möglichkeit, nicht nur in verschiedenen Abteilungen, sondern auch an unterschiedlichen Standorten und Spitälern arbeiten zu dürfen, hat mich begeistert. Ich bin im Hintergrund aber auch an der Front tätig, zum Beispiel am Telefon oder beim Patientenempfang. Dies bietet mir die Möglichkeit herauszufinden, welcher Bereich mir am besten liegt und wo ich mich nach der Lehre weiterentwickeln möchte. Also eine super Grundausbildung.»

Was gefällt dir besonders an der KV-Ausbildung?
«Ich bin von der Vielfalt der verschiedenen Aufgabenbereiche angetan. Einer meiner Lieblingsarbeiten ist es, Abklärungen zu machen z. B. mit Versicherungen. Daraus ableitend erarbeite ich dann Lösungen; das ist ein tolles Gefühl. Aber auch Patienten am Schalter weiterhelfen zu können, sie zu beruhigen, wenn sie nervös sind vor Eingriffen und für sie da zu sein, liegt mir sehr.»

Aufgrund Corona hast du keine Lehrabschlussprüfungen, wie fühlt sich dies an?
«Auf der einen Seite bin ich froh, dem Prüfungsstress zu entgehen. Auf der anderen Seite fühlt es sich an, als ob etwas fehlen würde: Ein offizieller Abschluss und den Beweis zu erbringen, dass ich es schaffe. Leider wurde auch die grosse soH-Abschlussfeier abgesagt. Ein schöner Moment, den ich gerne erlebt hätte. Mit einem schönen Kleid, die offizielle Diplomübergabe vor Augen der Familie… - das wäre schon schön gewesen.»

Wie sehen deine Pläne nach dem Lehrabschluss diesen Sommer aus? «Erstmals mache ich ein paar Wochen Ferien - zum Abschliessen mit dem alten und dem Start in den neuen Lebensabschnitt nach der Lehre. Beruflich habe ich bereits eine Perspektive: Ich kann glücklicherweise zu 40% in der soH bleiben und mache berufsbegleitend die Berufsmatura. Dies zeigt mir, dass ich mit der Wahl des Arbeitgebers richtig gelegen hatte.»

Portrait von Marina Wolf

«Im Berufsalltag Zeit haben heisst, sich mit Gelassenheit um die Gebärende zu kümmern.»

Marina Wolf, dipl. Hebamme im Bürgerspital Solothurn

Mitarbeitergeschichte Marina Wolf

«Oft wird der Moment der Geburt innig herbeigesehnt. Endlich das neue Wunder in den Armen halten. Manchmal dauert es an. Oder es geht ganz schnell.»

Wenn wir die Zeit etwas zurückdrehen: Mit welchem Erlebnis verbinden Sie Ihren ersten Einsatz als Hebamme?
Marina Wolf: «Gerne erinnere ich mich an die erste Geburt, die ich begleiten durfte. Der werdende Vater kümmerte sich rührend um mich. Ich glaube, er hatte mehr Sorge um mich als um seine Frau. Die Zeit hatte ich dabei völlig vergessen.» Mittlerweile hat Marina Wolf schon etliche Kinder auf dem Weg ins Leben begleitet. Sie sieht es als Privileg, Menschen in den intimen Phasen von der Schwangerschaft zur Geburt und bis hin zum Wochenbett unterstützen zu dürfen.
Im Berufsalltag Zeit haben heisst, sich mit Gelassenheit um die Gebärende zu kümmern. Ihr zuhören, mit ihr plaudern und beobachtend herausfinden, welche Unterstützung die werdende Mutter brauchen könnte. Mit dem Aufbau einer Verbindung steigt zunehmend auch das Vertrauen ineinander. Beobachten und einfühlen müsse sich eine Hebamme können. Und dann diese Beobachtungen rasch innerlich auswerten. Soll ich eine Massage anbieten? Oder ist ein Gespräch zur Beruhigung vonnöten? Vielleicht aber einfach nur gemeinsames Schweigen?

Gibt es diese Geburten, bei denen alles nach Plan verläuft?
«Ja, die gibt es. Die Frauen hören auf ihren Körper und nehmen die Situation an, wie sie ist.» Dabei würden sie die Kontraktionen arbeiten lassen. In diesen Momenten gebe es weder Minuten noch Stunden. Vielmehr gleiche das Ganze einem freudigen Fliessen.

Und dann ist plötzlich alles anders, das Kind ist da. Der junge Erdenbewohner meldet von Anbeginn seine Bedürfnisse an. «Es ist halt so», schmunzelt Marina Wolf, «dass das Kleinkind schon bald über die Familienzeit und den Rhythmus bestimmt.»

Was machen Sie nach einem ereignisreichen, rasanten Arbeitstag?
«Auf dem Sofa die Füsse hochhalten und alles etwas verlangsamen, das hilft.» Zum Schluss einen Zeitsprung zurück zur ersten Geburt. Seither ist nämlich etwas geblieben: «Ganz nah am grossen Ereignis vergesse ich Zeit, Tempo und Hektik noch heute. So wie beim ersten Mal. Dieses befreiende Gefühl tut einfach gut. Dies überträgt sich auf die Gebärende.»

Portrait von Lea Streiff

«Was ich bei der soH gelernt habe, darf ich an den Swiss Skills zeigen. – Das macht mich stolz!»

Lea Streiff, Fachfrau Gesundheit FaGe im 3. Ausbildungsjahr in Dornach

Mitarbeitergeschichte Lea Streiff

Lea Streiff konnte sich für die Swiss Skills qualifizieren. Sie erzählt uns, wie es dazu gekommen ist.

Wie ist es dir in der Lehre bisher ergangen?
«Der Anfang in der Lehre war ungewohnt. Plötzlich musste ich jeden Tag zur Arbeit fahren und hatte nicht mehr so viel frei. Aber ich gewöhnte mich bald daran. Der Wechsel zwischen dem Lehrbetrieb, der Gewerbeschule und dem ÜK-Zentrum war spannend. Ich habe mich bald zurechtgefunden. Heute ist die Abwechslung mein Alltag.»

Was gefällt dir besonders am Beruf FaGe?
«Der tägliche Kontakt und die Betreuung der Patienten gefallen mir sehr gut. Ich helfe und pflege gerne andere Menschen, arbeite sehr gerne im Team und schätze den fachlichen Austausch untereinander. Die medizinaltechnischen Aufgaben sagen mir besonders zu. Ich bin gewissenhaft und übernehme gerne Verantwortung.»

Was war deine Motivation für die Teilnahme an den Swiss Skills?
«Meine Motivation war, dass ich mich mit anderen Lernenden messen und ich mich so auch für die Lehrabschlussprüfung vorbereiten konnte. Ausserdem macht es mich stolz, die soH an den Swiss Skills zu vertreten und zu zeigen, was ich während meiner Ausbildung gelernt habe.»

Wie hast du das Ausscheidungsverfahren empfunden?
«Der Tag vom Ausscheidungsverfahren war stressig. Unter ungewohnten Bedingungen eine gute Leistung zu bringen, erschien mir schwierig. Im Lehrbetrieb ist es einfacher: Die Abläufe, Materialien und die Umgebung sind vertraut. So fühle ich mich sicherer. Aber damit hatten alle Kandidatinnen zu kämpfen.»